Poesie, Tattoos und Pudelhunde

Mit ihrem selbstbetitelten Debut, das die Clubhits "Daddy`s Getting Married" und "My Whole Life" beinhaltet, erreichte Bif Naked bereits eine breitgefächertes Publikum. 3 Jahre später, mit neuem Album, einer neuen Plattenfirma und kompakterem Namen holt die Wahl-Kanadierin nun zum zweiten Schlag aus. Der Umstand, daß das neue Album "I Bificous" nur noch unter dem Namen "Bif" erscheint, verdient im Vorfeld eine Erklärung.

"Für 11 Jahre war mein Punkrockname " Bif Naked", irgendwann wurde es mir zu blöde, daß die Leute sich immer an dem Namen "Naked" aufhängten und bei jeder Show vergeblich darauf warteten, daß ich mich ausziehe (Männer!). Mein Anliegen ist es, daß die Leute wegen meiner Musik kommen."

Ein Live-Konzert von Bif zu besuchen ist eine lohnende Investition von Zeit und Geld, denn sie eroberte bereits im Vorprogramm von Life Of Agony viele Herzen. Das ständige "Auf Achse Sein" hatte für Bif sogar einen nützlichen Nebeneffekt.

"Ich lebe seit 2 Jahren drogenfrei. Ich weiß gar nicht, wie ich früher den Tourstress ausgehalten habe mit all den Drogen", eröffnet mir die gebürtige Inderin, die sich in ihrer Freizei mit Bodybuilding und einer Frauen- Kampfsportgruppe fit hält.

Mit "I Bificous" erscheint nun ihr zweites Album, das auf das schon sehr abwechslungsreiche Debut noch einen draufsetzt. Der musikalische Fortschritt ist unüberhörbar, denn Bif hat ihre Fühler noch etwas weiter in die ruhigeren Pop-Gewässer ausgestreckt.

"Die beiden Alben klingen so unterschiedlich, weil das erste eine Indie-Produktion war und in drei Tagen stehen mußte. Außerdem versuche ich, mit meiner Musik zu wachsen und das Songwriting immer weiter zu verbessern. Mit 23 entstand das erste Album, im Juni werde ich 28 und bin eine gestandene Frau. Vieles hat sich seit dem geändert, ich selbst habe mich geändert, meine Ansichten, Perspektiven..."

Eine große Veränderung war sicherlich der Erfolg, der ihr zu Teil wurde. Auch das neue Album wird sicherlich seinen Weg zu den Fans finden. Nach den worten Bif`s ist es aber gar nicht so einfach, als Künstler zu bestehen.

"Als Solo-Artist lebst Du wie ein Waise und mußt Dir Deine Musiker von anderen Bands ausleihen. Randy von Annihilator spielt die Drums, mit ihm arbeite ich fest zusammen, der Bassist und der Keyboarder sind von Econoline Crush und gehören auch fest zu meiner Band. X-Factor, mein erster Giarrist lebt in New York, ich lebe in Vancouver, so macht es keinen Sinn, mit ihm weiter zu machen. Ein Ergebnis unserer Zusammenarbeit ist der Song "Chotee" auf "I Bificous"."

Ein ständig wechselndes Musikerkarussell wirkt sich mit Sicherheit nicht positiv auf die Arbeit aus.

"Im Prinzp ist das Line-Up der Band jetzt stabil. Nur bei den Touren muß manchmal der Gitarrist ersetzt werden. Ich müßte die Musiker eben auch bezahlen können, wenn wir nicht auf Tour sind, um sie immer für mich verfügbar zu halten. Ich bin eben keine Gloria Estefan."

Natürlich muß auch Bif auf Ihre sauer verdienten Bröötchen schauen, aber Sie sieht das Musikbusiness sehr locker.

"So lange ich mir eine Kugel Reis pro Tag leisten kann und meinen Hund (ein "Pudelhund", wie mir Bif stolz erklärt) satt bekomme, kümmere ich mich um nichts anderes als die Musik."

Bescheidene Worte für eine Frau, die nicht nur die Sonnenseite des Lebens kennt. Bif wurde kurz nach ihrer Geburt in Indien zur Vollwaise. Adoptiert von einem Missionarsehepaar wanderte sie in die USA ein, wohnte erst in Kentucky, über Manitoba verschlug es sie schließlich nach Vancouver/Kanada. Ihre Kindheit und Jugend verlief nicht reibungslos, wie man sich vorstellen kann. Bif`s Lyrics haben überwiegend biographischen Charakter. Gerade die des ersten Albums sind recht düster und spiegeln eine gewisse Hoffnungslosigkeit wieder. Allerdings ist Selbstmitleid für Bif offenbar ein Fremdwort.

"Ich kann nicht von mir behaupten, eine unglücklich Kindheit verbracht zu haben, weil es lauter gute und schlechte Zeiten gab, wie bei jedem anderen auch. Meine Erfahrungen sind mit Sicherheit nicht schlimmer als die eines Anderen."

Mit ihren 27 Jahren, ihrer unkomplizierten Art und dem feinen Sinn für Humor ist Bif eine nette Gesprächspartnerin und eine illustre Erscheinung, was ihr Äußeres betrifft.

"Wenn ich die Tattoos nicht hätte, wäre ich ein Spießer, durch und durch. Als Teenager war ich ein wahrer Rebell, wer, außer einem Spießer würde morgens um 6 Uhr aufstehen und um 10 Uhr Abends ins Bett gehen? Jedes Tattoo hat seine Geschichte, spiegelt einzelne Äras wieder. Als ich studierte, ließ ich mir einen Drachen auf den Arm tätowieren, ein Symbol für Weisheit. Die Lotusblüte steht für das ewige Leben und der Buddha für mein Interesse amBuddhismus. Totenköpfe und Anarchie-Zeichen habe ich keine, deshalb bin ich ja spießig , überhaupt sind Tattoos sehr spießig."

Die letzten Sätze sprach Bif nicht ohne ein gewisses Schmunzeln aus. Ihre Redegewandheit stellte sie auch in einer Veröffentlichung unter Beweis:

"Es gibt noch ein "Spoken Word Album", es erschien aber nur in Kanada. In Europa sind "Spoken Word Alben nicht so üblich, Bücher sind hier wohl beliebter."

Das liegt wohl am intellektuellen Studiepack ;-)

"Auf dem Album finden sich Gedichte, Geschichten aus meiner Kindheit und viel Gerede über Jungs. Ich rede und rede und rede, über eine Stunde lang. Jedes Gedicht, Story... hat seinen eigenen Track, so kann sich der Hörer seinen Lieblingstrack immer wieder anhören und meinetwegen auf seinen Anrufbeantworter spielen."


Christan Dännart




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